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KATER MOGLI IST WEG

"Mogli ist weg". Katze Nala rannte quer durch die Wohnung, blickte in jede Ecke, sauste die Treppe hoch, wieder runter in den Garten - vergeblich. Ihr Bruder Mogli war und blieb verschwunden. Wo konnte er sein? Nala wusste, Mogli war sehr neugierig und seine Abenteuerlust war manchmal pelzsträubend, er war aber immer wieder auf seinem Platz gewesen wenn sie ihn suchte. Jetzt war er weg.

Nala grübelte nach, wohin konnte er gegangen sein und - vor allem - wann hatte sie ihn zuletzt gesehen. Sie krauste das kleine Näschen und dachte angestrengt nach. Gestern am Abend war er noch da gewesen und hatte ihr das letzte Fisch-Stückchen aus dem Napf gemopst. Heute in der Früh als sie ihre Frühstücks-Brekkies alleine knusperte, dachte sie der Faulpelz schläft noch. Maunzend schlich sich Nala an ihr Frauchen. Dany musste doch merken, dass Mogli nicht da war. Sie war aber sehr beschäftigt, sortierte Wäsche, wickelte die kleine Jana und Tobi hatte Durst. Nala fand, jetzt müsse sie eben alleine handeln und, vor allem, Hilfe organisieren. Angestrengt dachte sie nach bis es ihr endlich einfiel.

Garfield, der Kater von Tobis Opa musste ihr helfen. Mit grossen Sprüngen machte Nala sich auf den Weg. An der Hauptstrasse blieb sie stehen - die vielen Autos machten ihr Angst. Entschlossen trippelte sie dann aber doch über die Fahrbahn. Es half nichts, sie musste zu Garfield. Völlig atemlos kam sie auf der Anhöhe an und sie musste alles zweimal erzählen bis Garfield kapierte, was sie von ihm wollte. Der rote Kater brummte vor sich hin. "Ich war heute im Friseur-Salon von Frauchen Brigitte, dort haben sie aber nichts erzählt von zugelaufenen Katzen". Das konnte aber auch noch nicht sein, denn so lange war Mogli doch noch nicht weg. Nala wurde immer nervöser. "Garfield, was sollen wir nur tun?" Ihr Maunzen wurde immer kläglicher und aus dem linken Auge funkelte ein Tränchen.

"Ich werde hier die Augen aufhalten, alle Kumpels der Umgebung ansprechen und wir werden Mogli schon finden", versuchte er Nala zu beruhigen. Nala beruhigte sich nicht, das Tränchen kullerte ihr jetzt über den weichen Pelz und versickerte darin. Garfield nahm das traurige Katzenmädchen bei der Pfote und marschierte mit ihr los. "Ich hab eine Idee, unterwegs erzähle ich es Dir". "Wir alarmieren das Lümmellinchen und ihre Bande. Die 4 Stubentiger wohnen dort ganz oben und vom Balkon aus haben sie ein tolle Sicht auf den ganzen Ort. Die können uns bestimmt sagen, wenn sie was gesehen haben".

Unterwegs kamen Garfield und Nala an einem grossen Garten vorbei in dem Kaninchen hoppelten und auch denen erzählten sie, dass Mogli verschwunden ist. Die Kaninchenmama versprach, sofort Nachricht zu geben wenn sie etwas hörte. Als die beiden Wanderer bei Lümmellinchen ankamen, taten ihnen vom Laufen schon fast die Pfötchen weh. Sie setzten sich unten ans Haus und maunzten hinauf auf den Balkon auf dem sich die beiden Kater David und Goliath die Sonne auf den Pelz scheinen liessen. Goliath hörte sich an was los ist und rannte ins Zimmer um Lümmellinchen zu holen. David und sie waren sich nicht immer grün aber in diesem Fall konnte keine Rücksicht auf Streitereien genommen werden. Auch Süßelchen setzte sich dazu und hörte still und leise schnurrend zu.

Leider war von hier oben auch nichts von Mogli zu sehen, wie David feststellte. Bei Nala floss schon wieder ein Tränchen, das Garfield sachte mit der Pfote wegwischte und ihr zart übers bekümmerte Gesichtchen leckte. Über ihnen kreiste mit grossen Flügeln ein roter Milan auf Mäusejagd und machte den Miezelchen Angst. Nur die freche Lümmellinchen hatte keine Bange vor dem Räuber der Lüfte und sie spitzte die Lippen und pfiff ihn heran. Der grosse Vogel stutzte, was wollte dieses schwarz-weisse Fellbündel da von ihm? Er überlegte, ob er sie wohl fressen konnte, wollte aber vorher doch wissen um was es ging. Langsam flog er vor dem Balkon hin und her und hörte sich an um was es ging.

Dieses Jahr war ein gutes Mäusejahr und Hunger hatte er keinen leiden müssen, auf Katzen mit scharfen Krallen konnte er also verzichten. Erst drehte er eine grosse Runde über das ganze Dorf und kam dann zurück. Ja, einen Kater der so ähnlich aussah wie Nala war ihm gestern Abend in der Dämmerung begegnet. Auf der Baustelle hatte er ihn gesehen, bei dem grün angestrichenen Bauwagen unten an der Hauptstrasse. Nala fiepte vor Aufregung. "Das muss Mogli gewesen sein". Schnell verabschiedeten sich Nala und Garfield von der 4-er Bande, warfen dem Milan ein Kusspfötchen zu und rannten los zur Hauptstrasse.

Der Vogel hatte recht - dort stand der grün angepinselte Bauwagen, den die Arbeiter, die die Strasse neu teerten, zum umkleiden und Pause machen benutzten. Inzwischen war es Abend geworden, die Baustelle war leer. Garfield liess ein durchdringendes "Miau" ertönen und Nala kratzte an der grünen Tür. Von drinnen kam auch sogleich die Antwort, ein zögerliches "mau". "Mogli, bist Du da drinnen?" Nala wurde ganz aufgeregt. "Ja" erklang es da ganz weinerlich zurück. "Hier ist es so dunkel und ich hab so Durst und Hunger. Ich müsste auch ganz dringend aufs Klo, hier drin gibts nichts zum scharren". Garfield probierte mit aller Kraft den Riegel der Türe aufzuschieben aber vergeblich. Der Bolzen sass fest. Jetzt probierten sie es mit vereinten Kräften, aber oh weh, es gelang wieder nicht. Schon wieder machte sich bei Nala neue Verzweiflung bemerkbar.

Garfield dachte praktischer. "Wenn wir es allein nicht schaffen, müssen wir Hilfe holen. Ich hole mein Herrchen, Du gehst nachhause und machst, dass Deine Leute Dir folgen. Wir treffen uns dann hier wieder. Länger warten können wir nicht, morgen ist Sonntag und die Arbeiter hier kommen erst am Montag wieder, bis dahin ist unser Mogli verdurstet und verhungert." Garfield rannte los in seine, Nala in ihre Richtung. Herrchen Egon stand vor dem Haus als Garfield ankam. Er schnurrte ihm um die Beine, maunzte ihn an und ging Schritt für Schritt auf die Strasse. Dabei blickte er ihn so flehentlich an, dass Egon nichts übrig blieb als dem Kater zu folgen.

Bei Nala zuhause wurde inzwischen nicht nur entdeckt, dass Mogli fehlte, Nein! auch Nala wurde von allen vermisst. Tobias hatte schon in der ganzen Umgebung gesucht und wollte jetzt Nala auf den Arm nehmen. Sie liess das aber nicht zu und ging wieder auf den Weg zurück. "Bleib doch stehen", schrie Tobias und rannte hinterher. Papa Heiko blieb nichts anderes übrig als ebenfalls loszuspurten. Völlig ausser Atem kamen alle, fast gleichzeitig, beim Bauwagen an.

Drinnen wurde das Stimmchen von Mogli immer leiser. Etwas ratlos blickten sich Egon und Papa Heiko an, sie hörten nichts. Garfield und Nala kratzen wie wild an der Tür und die beiden Männer schüttelten die Köpfe. Was hatten die Katzen bloss? Da schrie Tobi plötzlich los: "Dort drinnen ist Mogli gefangen". "Wie sollte er da bloss reingekommen sein? Wir können doch nicht einfach die Tür aufmachen, sonst denken die Leute noch wir wollten einbrechen". obi liess sich nicht beirren und so machte Egon den Bauwagen auf. Drinnen war es finster, man sah aber auf einem alten Arbeitskittel einen müden, durstigen, jetzt aber glücklichen Mogli liegen. Nala begann gleich ihn abzuschlecken und schon wieder rollte ein Tränchen - diesmal aber aus Freude.

Über ihnen drehte der Milan seine Kreise und beobachtete den glücklichen Ausgang. Jetzt konnte er Entwarnung geben auf dem Balkon bei der 4-er Bande. Garfield bekam zuhause von Brigitte als Belohnung ein paar Käserollies extra, Nala schob Mogli ihr letztes Fischbröckchen in seinen Napf und alle waren glücklich. Mogli hat niemandem verraten, dass er nur in den Bauwagen geklettert ist, weil es dort so gut nach Leberwurstbrot gerochen hat. Etwas musste doch auch sein Geheimnis bleiben.

Autorin: Anna Ruh


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