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Können solche Augen lügen?

Mir geht es gut! Katzenschnurrig gut. Ich bin 8 Jahre alt und höre auf den Namen Kira. Und mein Leben begann neben drei Artgenossen. Aber eigentlich... Ich rede nur ungern darüber, weil ich denke, dass es nur ein schlimmer Traum gewesen sein muss, den ich ein Jahr ertrug! Ich musste um mein Futter kämpfen, nie bekam ich genug. In meinem Bäuchlein rumpelte es ständig. Das waren Würmer. Und eine schlimme Hormonstörung hatte ich auch, so dass mir sogar die Haare aus dem Gesicht fielen. Es war ganz kahl und keiner mochte mich. Mein schwarzes Fell, so sagten die Zweibeiner, bringe Unglück. Was auch immer das heißen sollte. Niemand nahm mich auf den Arm und brachte mir schmusen bei.

Eines Tages aber geschah etwas Merkwürdiges! Ich wurde in eine dunkle Box geschoben. Nach einer Fahrt mit einem Auto, bei der ich mich voller Panik ganz still verhielt, weil das so neu war, sah ich helles Licht! Das Wort "Tierarzt" fiel und ich gab bei ihm ein klägliches Jammerbild ab. Dann ging es zurück in die dunkle Box, wieder in dieses Auto und dann : Unglaublich!!! Ich schnupperte entsetzt nur noch völlig unbekannte Gerüche. Ich roch und sah eine auch noch obendrein eine fremde Katze!

Entsetzlich! Als die Klappe meines Transportbehälters endlich ganz auf ging, machte ich voller Angst einen Riesensatz und raste zitternd unter einen großen Schrank. Was sollte das alles? Ich wollte weg, aber wie? Also versuchte ich es mit schreien. Ich schrie eine ganze Woche lang in meinem dunklen Versteck zum Gotterbarmen. Wie von Zauberhand kam immer frisches Wasser, wunderbares Futter und sogar frische Milch. Aber da waren fremde Augen, die immer wieder nach mir schauten ... Und dieser Kater, der mich unablässig beobachtete! Also schrie ich weiter. Aber außer, dass man nach mir schauen kam, störte das wohl Niemanden. Heute weiß ich, dass die Zweibeiner ganz schön entnervt waren!

Nach sieben langen Tagen nahm ich endlich all meinen Mut zusammen! Ich verließ langsam und vorsichtig mein Versteck. Der erste, der mir begegnete, war Kater Carlo. Ach wie bedaure ich das heute, aber er bekam ohne Warnung meine Krallen zu spüren. Ich schlug auf ihn ein, er sollte doch wissen, dass ich ein kleiner Tiger bin! Es tut mir heute sehr leid, wenn ich daran denke, dass ich ihm büschelweise die Haare heraus riss! Und dann pirschte ich mich genau dort hin, woher Stimmen kamen, die mir inzwischen recht sympathisch geworden waren. In die Küche! Da saßen sie, die Zweibeiner. Carlo schnurrte bei der Frau auf dem Arm, die mir immer das Futter hin stellte und am meisten nach mir geschaut hatte und ließ sich trösten. Wie erstaunt war ich, als sie mit richtig glücklicher Stimme meinen Namen rief! Und mich sogar "Süße" nannte! " Jetzt nahm ich den letzten Mut zusammen, den ich noch brauchte... und ich stuppste dieses neue Frauchen vorsichtig mit meinem Kopf an und verlangte auch solche Streicheleinheiten, wie sie Carlo erhielt.

Oh, wie war das schön! Es gefiel mir soooo gut und ich wollte mehr davon, immer mehr! Hier wollte ich bleiben und nie mehr diese zarten Hände vermissen müssen! Und immer möchte ich die vielen schönen Namen hören, mit denen ich seit sieben Jahren nun gerufen werde. Obwohl - - - ,"Zuckerpuppe"? Naja, wenn Frauchen mich so nennt, wird es wohl stimmen. Es ist wunderbar, wenn mein Frauchen morgens wach wird. Dann werfe ich mich voll Wonne auf den Rücken und sie krault mich! So schön kann ein Katzenleben sein! Na und Carlo? Der ist inzwischen mein bester Freund. Wir brauchen uns ja auch nicht um Futter raufen, es ist immer genug für uns beide da! Ich habe immer noch schwarzes Fell. Aber es glänzt nun wunderschön und ich weiß, dass ich eine Glückskatze bin! Und das ich zu einer ganz tollen Familie gehöre, die mich und Carlo liebt! Schnurr!



Autorin: Marion Wiechert


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