Vogelgrippe: irrationale Angst vor Katzen wächst
Das DTHW e.V. kritisiert Diskussion um Abschusserlaubnis für freilaufende Haustiere Quelle: DTHW 08.03.06
Berlin, 08.03.2006. Ginge es nach dem Verbandschef der
niedersächsischen
Geflügelwirtschaft, dann müssten alle streunenden
Katzen getötet und alle
übrigen einer „Stallpflicht“ unterworfen werden. Der
Herr vertritt die
Ansicht, dass sich Katzen derzeit nicht in freier
Wildbahn bewegen dürften,
da sie die Vogelgrippe weiter verschleppen würden.
„Äußerungen wie diese, die auf politischer Ebene
geführte Diskussion um
einen möglichen Abschuss von streunenden Katzen und die
teilweise
überzogenen Maßnahmen der Regierung schüren
unnötigerweise die Angst vor
Katzen in der Bevölkerung“, kritisiert Ursula Bauer,
Biologin des Deutschen
Tierhilfswerks Berlin. Dabei ist die Vogelgrippe nach
wie vor eine
hauptsächlich bei Wildwasservögeln auftretende
Vogelkrankheit und die auf
Rügen gefundenen infizierten Katzen Einzelfälle in
einem isolierten Gebiet
mit derzeit hohem Infektionsdruck. Es wurde weltweit
auch noch kein einziger
Mensch durch ein Säugetier mit dem Vogelgrippe-Virus
infiziert. Durch den
Fund von drei angeblich infizierten Katzen wird die
Vogelgrippe für den
Menschen nicht gefährlicher. Daher besteht im Moment
auch kein Anlass, gegen
Katzen irgendwelche Maßnahmen zu verhängen.
Zur Zeit geben viele verängstigte Tierhalter ihre
Hauskatzen in Tierheimen
ab. Die Zahl der ausgesetzten Tiere steigt ebenfalls
und Tierärzte werden
vermehrt von verängstigten Haltern darum gebeten, ihre
Katzen prophylaktisch
einzuschläfern. Für derartige drakonische Maßnahmen
besteht keine
Veranlassung. Der geliebte Haustiger wird nicht aus
heiterem Himmel zum
virenstrotzenden Todbringer.
„Unabhängig von der moralischen Verantwortung, die wir
gegenüber unseren
Haustieren haben, darf kein Tierarzt ein gesundes Tier
„vorsorglich“
einschläfern“, betont Ursula Bauer vom Deutschen
Tierhilfswerk Berlin. Und
natürlich ist auch in Zeiten der Vogelgrippe das
Aussetzen von Tieren
strafbar.
Auch von verwilderten Hauskatzen, den sogenannten
Streuner- oder
Straßenkatzen, geht keine Gefahr aus. Die scheuen Tiere
lassen sich in der
Regel nicht einmal von Menschen anfassen. Seit vielen
Jahren setzt sich das
Deutsche Tierhilfswerk im Rahmen seines
Streunerkatzenprojekts „aktion
kitty“ aktiv für Straßenkatzen in ganz Deutschland ein.
Etwa 1,7 Mio.
Streunerkatzen leben in Deutschland, davon alleine etwa
40.000 in Berlin.
„Unqualifizierte Äußerungen wie die des Chefs des
niedersächsischen
Geflügelwirtschaftsverbands gefährden unser Projekt in
der Hauptstadt“,
klagt Ursula Bauer vom DTHW- Berlin. Die Tierschützer
haben jahrelang mit
Engelszungen um Akzeptanz für ihre Futterstellen und
die Duldung der
Katzen-Schlafhäuschen gekämpft. Die aktuelle Angst vor
Katzen führt jedoch
dazu, dass kitty-Mitarbeiter von Haus- oder
Grundstücksbesitzern gezwungen
werden, Futterstellen aufzulösen und Schlafhäuser
abzuholen. „Jetzt im
Winter hat dies für die Straßenkatzen katastrophale
Folgen“, betont Ursula
Bauer. „Die Tiere werden krank und verelenden
zusehens“, so Ursula Bauer
weiter, “und wir beginnen mit unserer Arbeit wieder von
Vorne“.
Das Deutsche Tierhilfswerk rät zu mehr Gelassenheit und
bittet: „Verschonen
Sie die Katzen mit irgendwelchen unsinnigen Maßnahmen.
Sowohl Ihre eigene
Hauskatze als auch die Straßenkatzen“.
Der verbale Vorstoß des Verbandschefs der
niedersächsischen
Geflügelwirtschaft mutet wie ein Ablenkungsmanöver an.
Schließlich gilt es
als wahrscheinlich, dass gerade die Geflügelindustrie
mit ihren extremen
Haltungsbedingungen und ihrem laxen Umgang mit
verseuchten Produkten und
Abfallstoffen nicht unwesentlich an der Verbreitung von
H5N1 beteiligt ist.
Das DEUTSCHE TIERHILFSWERK ist mit 210.000 Mitgliedern
und 200
Kooperationspartnern eine der größten Tier- und
Artenschutzorganisationen
Deutschlands.
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